Was ist Evangelische Schulseelsorge?
Mit einem Satz: Sie ist Kommunikation des Evangeliums im Kontext Schule.
Seit gut 10 Jahren ist der Schulpfarrer an diesen Schulen von der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (=EKHN) mit einem Dienstauftrag für
Schulseelsorge freigestellt. Was anfangs noch ein Pilotprojekt war, ist
inzwischen der Arbeitszweig "Schulnahe Jugendarbeit" der ev. Schüler-
und Jugendarbeit geworden.
Für die Schulseelsorge haben sich vier Arbeitsfelder mit unterschiedlichen
Schwerpunkten an den verschiedenen Beruflichen Schulen und Gymnasien entwickelt:
- Begleitungs- und Beratungsarbeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen;
- Bildungs- und Freizeitangebote, selbstorganisiert oder in Kooperation mit
schulischen oder außerschulischen Angeboten;
- Beitrag zur Entwicklung des Lebensraums Schule;
- Vernetzung mit dem schulischen Umfeld, Zusammenarbeit mit Beratungs- und
Jugendhilfeeinrichtungen, mit den Betrieben, mit den Verbänden und
Institutionen, denen die Schule zugeordnet ist.
Diese vier Arbeitsfelder gehören untrennbar zusammen, auch wenn sie zu
unterscheiden sind.
Schulseelsorge in diesem Sinne ist daher zuerst Beziehungsarbeit im Kontext
dieser Beruflichen Schulen. Sie versucht die Zwischen-Räume mit Leben zu erfüllen.
Davon möchte ich nennen: die Räume
Gemeinsam mit unseren katholischen Kollegen im Religionsunterricht ist die Überzeugung:
Unsere Kultur ist nur verständlich auf dem Hintergrund der abendländisch-christlichen
Tradition. Eine wichtige Aufgabe des Religionsunterrichts ist es daher, zum
Verständnis von Entstehung und Bedeutung dieser Tradition beizutragen.
Jeder Mensch fragt nach dem Woher und Wohin, dem Sinn seines Lebens.
Der Religionsunterricht will diese Fragen aufnehmen und Hilfe geben bei der
Deutung des eigenen Daseins."
W. Staude
Aus dem Jahresbericht Schulseelsorge
Lampertheim für das Schuljahr 2002/03
von Walter Staude, ev. Pfarrer
mailto: wstaude@gmx.de
„Ihr
sollt eure Schüler nicht mit leeren Formeln, sondern mit Bildern erfüllen,
die ein Gefüge mit sich führen.
Ihr sollt sie nicht in erster
Linie mit totem Wissen voll stopfen, sondern in ihnen einen Stil
heranbilden, damit sie die Dinge erfassen können.
Ihr sollt die Meditation
lehren und das Gebet, denn durch sie wird die Seele weit.
Und ebenso auch die ständige
Betätigung der Liebe.
Denn was vermöchte sie zu ersetzen?“
Zitat von
A. de Saint-Exupery, geschrieben in
einem schön verzierten Dankbrief zum Nachtreffen unserer
Projektwochenteilnehmer in unserem ev. Gemeindezentrum Bensheim-Zell. |
Lebensraum Stille - so hieß das Angebot
von uns Religionslehrern im Rahmen der Projektwoche „Lebensraum Schule“ Ende
März 2003 an unseren Beruflichen Schulen. Eine Woche lang mit denselben, hoch
motivierten Schülern eine „geistliche Übung“ zu machen - dieser Traum, den
wir Religionslehrer hatten, wurde Ende März 03 wahr. Vorausgegangen waren gute
Erfahrungen bei uns selbst mit diesen „geistlichen Übungen“. Mein
katholischer Partner und ich haben im Februar ein gemeinsames
Vorbereitungswochenende im Kloster Tiefenthal bei Schlangenbad verbracht, das
sich später als überaus geeignet für unser Projekt erwies. Eine Dokumentation
davon ist mit tatkräftiger Hilfe von Heike Zick-Kuchinke entstanden und kann
von mir eingesehen und ausgeliehen werden. Dankbar möchte ich auch die
finanzielle Unterstützung unseres schulischen Fördervereins erwähnen.
Am 15.7.03 haben wir
meinen katholischen Partner Norbert Lang nach dreijährigem Wirken in einer gut
besuchten stimmungsvollen Andacht „Geh
unter der Gnade“ verabschiedet.
Zum neuen Schuljahr kommt
es zu einer neuen Konstellation mit einem neuen berufschulerfahrenen jungen
katholischen Kollegen, dessen Ehegattin übrigens beim kath. Bildungswerk in
Viernheim beginnt.
Die letzten drei Jahre
waren für RU und Schulseelsorge eine gute Zeit. Es entstand eine ganze Reihe
von Formen der Spiritualität, die sich in immer besser angenommenen Andachten
spiegelten. Es gibt davon ebenfalls eine Dokumentation.
So ist es gekommen, dass
Schulseelsorge immer mehr als gemeinsames Werk der Religionslehrer in unseren
Schulen wahrgenommen und anerkannt wurde.
Der Ursprung solcher positiven Ergebnisse ist in zweierlei zu suchen:
den persönlichen Beziehungen, die man hat,
als auch der Situation, in die man hineingestellt wird.
Beispiel: Allerheiligenandacht 2002 in der Schule, Thema: Schaun mer mal – genauer hin!
Es ging um die
Zuschauerhaltung, die abwartet und Tee trinkt, sich aber nicht engagiert – im
Gegenteil, sich an den Qualen anderer weidet. Ein zutiefst unchristliches
Verhalten.
Kurz
zuvor hatte es im Amtsgericht Bensheim eine Aufsehen erregende
Gerichtsverhandlung gegeben. Ein Geisterfahrer hatte ein Jahr zuvor spätabends
im Zustand der Volltrunkenheit mit einem nicht ordentlich zugelassenen Fahrzeug
ein mit vier jungen Leuten besetztes Fahrzeug gerammt und dabei ein junges Mädchen
getötet. Er war zu einer allzu milden Strafe verurteilt worden, was zu einer
allgemeinen öffentlichen Entrüstung geführt hatte. Das Urteil wurde leider
nicht revidiert, weil die Staatsanwaltschaft am Landgericht in Darmstadt die
Berufung zurückgezogen hat. Ich war bei der Gerichtsverhandlung dabei, an der
es nachträglich zu dramatischen Szenen gekommen war.
Ich hatte zum Gerichtsurteil einen
Leserbrief geschrieben, der wiederum zu einer Vielzahl von Gesprächen und
Beratungen innerhalb und außerhalb der Schule führte.
Weitere Aktivitäten im
Auszug:
Bis
hier - und weiter - eingegrenzt und grenzenlos?
- So hieß das Thema unseres diesjährigen Schüler-Lehrer-Wochenendes im
RPZ, an dem ich ein zweites Mal teilnehmen durfte und vier Schüler/-innen
mitnahm. Dieses Unternehmen war viel besser als eine einzelne Fortbildung, da
intensiver. Die Zusammenarbeit mit Mario Vasquez, Religionslehrer in Offenbach,
bei dem Workshop hat mir sehr viel bedeutet und viele neue Erkenntnisse
gebracht. Überschattet war dieses
Unternehmen von dem beginnenden Irak-Krieg, das durch meinen dort teilnehmenden
Schüler aus dem Irak noch einen besonderen Akzent bekam. (Nebenbei
bemerkt hat der Krieg leider mehr zu Lähmungserscheinungen als zu Protesten geführt,
was sich am Tag des Kriegsausbruchs zeigte. Da war das Verhalten der Schüler im
Jahre 1991 doch ganz entschiedener vom öffentlichen Protest gekennzeichnet.)
Kontakt zu halten oder zu knüpfen
und - was uns pädagogisch in der Schule fordert, noch enger im Lehrerteam
miteinander für die Schüler in Kontakt zu bleiben. An dieser Stelle habe ich
die Absicht, mein Engagement auszubauen. Sehr interessant war in diesem
Zusammenhang die Darstellung unserer sonderpädagogischen Arbeit in der
Jugendkooperation Lampertheim, einem etwa vierteljährlichen Treffen vieler an
der Jugendarbeit beteiligter Institutionen in Lampertheim. Hier arbeitet ja auch
unser Diakonisches Werk in Lampertheim an prominenter Stelle mit.
Ergebnis: Die traditionellen Gräben zwischen Schule und Sozialarbeit werden
langsam aber sicher zugeschüttet.
Der Besuch des Tee-Mobils mit
einem jungen Team von Christen aus aller Welt neben unserem Schulzentrum. Es war
im Zuge der PRO CHRIST Veranstaltungen von der baptistischen Gemeinde in
Lampertheim eingeladen worden. Wir Religionslehrer haben gern von der Einladung
Gebrauch gemacht und unsere und der Schüler Erfahrungen ausgetauscht.
Der Besuch der akademischen
Feier anlässlich des 100.Geburtstags des Kindergartens Falterweg in der
Martin-Luther-Gemeinde Lampertheim. Ein bunter Strauß von Gaben aus
verschiedenster Quelle, ein interessanter Vortrag von unserer Pröpstin und eine
überaus gelöste, fröhliche Atmosphäre machten diesen Abend zu einem denkwürdigen
Tag. Hier zeigte sich Kirche pur, wie sie sein soll. In Zusammenhang mit dem großartigen
Fest am Sonntag zuvor ein gelungenes Ereignis für Jung und Alt.
