Schulseelsorge
Home Bildungsangebot Cisco Academy Partner Infos News

Was ist Evangelische Schulseelsorge?

Mit einem Satz: Sie ist Kommunikation des Evangeliums im Kontext Schule.

Seit gut 10 Jahren ist der Schulpfarrer an diesen Schulen von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (=EKHN) mit einem Dienstauftrag für Schulseelsorge freigestellt. Was anfangs noch ein Pilotprojekt war, ist inzwischen der Arbeitszweig "Schulnahe Jugendarbeit" der ev. Schüler- und Jugendarbeit geworden.

Für die Schulseelsorge haben sich vier Arbeitsfelder mit unterschiedlichen Schwerpunkten an den verschiedenen Beruflichen Schulen und Gymnasien entwickelt:

  1. Begleitungs- und Beratungsarbeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen;
  2. Bildungs- und Freizeitangebote, selbstorganisiert oder in Kooperation mit schulischen oder außerschulischen Angeboten;
  3. Beitrag zur Entwicklung des Lebensraums Schule;
  4. Vernetzung mit dem schulischen Umfeld, Zusammenarbeit mit Beratungs- und Jugendhilfeeinrichtungen, mit den Betrieben, mit den Verbänden und Institutionen, denen die Schule zugeordnet ist.

Diese vier Arbeitsfelder gehören untrennbar zusammen, auch wenn sie zu unterscheiden sind.

Schulseelsorge in diesem Sinne ist daher zuerst Beziehungsarbeit im Kontext dieser Beruflichen Schulen. Sie versucht die Zwischen-Räume mit Leben zu erfüllen.

Davon möchte ich nennen: die Räume

bullet  zwischen Glauben und Leben;
bullet  zwischen Seelsorge und schulischer Sozialarbeit;
bullet  zwischen den Religionen und Konfessionen;
bullet  zwischen Jugendkultur und Arbeitswelt;
bullet  zwischen Jungsein und Erwachsenwerden;
bullet  zwischen den Institutionen von Schule und Kirche/Gemeinde ;
bullet  zwischen den verschiedenen Schulformen;
bullet  zwischen Lehrern und Schülern;
bullet  zwischen Lehrern und anderem Schulpersonal und der Schulleitung.

Standbein und Quelle dieser Beziehungsarbeit ist das Angebot
Religionsunterricht für alle Schüler.

Der Religionsunterricht an den Beruflichen Schulen wirkt an der Realisierung allgemeiner und gemeinsamer pädagogischer Grundsätze mit, die im Schulprogramm aufgeschrieben werden.

Er ist nicht nur Fachunterricht, wie auch jedes andere Schulfach nicht nur als Fachunterricht verstanden werden kann.

Als allgemeine pädagogische Grundsätze habe ich für das Schulprogramm vorgeschlagen:

Die Schüler suchen und brauchen Antwort auf Glaubens- und Lebensfragen!

bulletWir achten auf die Verschiedenheit der Schüler!
bulletDie Schüler brauchen Vertrauen!
bulletDie Schüler brauchen Anregung!
bulletDie Schüler sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen!
bulletDie Schüler brauchen Grenzen!
bulletJeder Schüler soll erfolgreich sein!

Gemeinsam mit unseren katholischen Kollegen im Religionsunterricht ist die Überzeugung:

Unsere Kultur ist nur verständlich auf dem Hintergrund der abendländisch-christlichen Tradition. Eine wichtige Aufgabe des Religionsunterrichts ist es daher, zum Verständnis von Entstehung und Bedeutung dieser Tradition beizutragen.

Jeder Mensch fragt nach dem Woher und Wohin, dem Sinn seines Lebens.
Der Religionsunterricht will diese Fragen aufnehmen und Hilfe geben bei der Deutung des eigenen Daseins."

W. Staude

Aus dem Jahresbericht Schulseelsorge Lampertheim für das Schuljahr 2002/03

von Walter Staude, ev. Pfarrer

mailto: wstaude@gmx.de

 

„Ihr sollt eure Schüler nicht mit leeren Formeln, sondern mit Bildern erfüllen, die ein Gefüge mit sich führen. Ihr sollt sie nicht in erster Linie mit totem Wissen voll stopfen, sondern in ihnen einen Stil heranbilden, damit sie die Dinge erfassen können. Ihr sollt die Meditation lehren und das Gebet, denn durch sie wird die Seele weit. Und ebenso auch die ständige Betätigung der Liebe. Denn was vermöchte sie zu ersetzen?“ 

Zitat von  A. de Saint-Exupery, geschrieben in einem schön verzierten Dankbrief zum Nachtreffen unserer Projektwochenteilnehmer in unserem ev. Gemeindezentrum Bensheim-Zell.


                        

Lebensraum Stille - so hieß das Angebot von uns Religionslehrern im Rahmen der Projektwoche „Lebensraum Schule“ Ende März 2003 an unseren Beruflichen Schulen. Eine Woche lang mit denselben, hoch motivierten Schülern eine „geistliche Übung“ zu machen - dieser Traum, den wir Religionslehrer hatten, wurde Ende März 03 wahr. Vorausgegangen waren gute Erfahrungen bei uns selbst mit diesen „geistlichen Übungen“. Mein katholischer Partner und ich haben im Februar ein gemeinsames Vorbereitungswochenende im Kloster Tiefenthal bei Schlangenbad verbracht, das sich später als überaus geeignet für unser Projekt erwies. Eine Dokumentation davon ist mit tatkräftiger Hilfe von Heike Zick-Kuchinke entstanden und kann von mir eingesehen und ausgeliehen werden. Dankbar möchte ich auch die finanzielle Unterstützung unseres schulischen Fördervereins erwähnen.

Am 15.7.03 haben wir meinen katholischen Partner Norbert Lang nach dreijährigem Wirken in einer gut besuchten stimmungsvollen Andacht  „Geh unter der Gnade“ verabschiedet.

Zum neuen Schuljahr kommt es zu einer neuen Konstellation mit einem neuen berufschulerfahrenen jungen katholischen Kollegen, dessen Ehegattin übrigens beim kath. Bildungswerk in Viernheim beginnt.

Die letzten drei Jahre waren für RU und Schulseelsorge eine gute Zeit. Es entstand eine ganze Reihe von Formen der Spiritualität, die sich in immer besser angenommenen Andachten spiegelten. Es gibt davon ebenfalls eine Dokumentation.

So ist es gekommen, dass Schulseelsorge immer mehr als gemeinsames Werk der Religionslehrer in unseren Schulen wahrgenommen und anerkannt wurde.

Der Ursprung solcher positiven Ergebnisse ist in zweierlei zu suchen:
den persönlichen Beziehungen, die man hat,
als auch der Situation, in die man hineingestellt wird.

Beispiel: Allerheiligenandacht 2002 in der Schule, Thema: Schaun mer mal – genauer hin! 

Es ging um die Zuschauerhaltung, die abwartet und Tee trinkt, sich aber nicht engagiert – im Gegenteil, sich an den Qualen anderer weidet. Ein zutiefst unchristliches Verhalten.

Kurz zuvor hatte es im Amtsgericht Bensheim eine Aufsehen erregende Gerichtsverhandlung gegeben. Ein Geisterfahrer hatte ein Jahr zuvor spätabends im Zustand der Volltrunkenheit mit einem nicht ordentlich zugelassenen Fahrzeug ein mit vier jungen Leuten besetztes Fahrzeug gerammt und dabei ein junges Mädchen getötet. Er war zu einer allzu milden Strafe verurteilt worden, was zu einer allgemeinen öffentlichen Entrüstung geführt hatte. Das Urteil wurde leider nicht revidiert, weil die Staatsanwaltschaft am Landgericht in Darmstadt die Berufung zurückgezogen hat. Ich war bei der Gerichtsverhandlung dabei, an der es nachträglich zu dramatischen Szenen gekommen war.

 Ich hatte zum Gerichtsurteil einen Leserbrief geschrieben, der wiederum zu einer Vielzahl von Gesprächen und Beratungen innerhalb und außerhalb der Schule führte.

 

Weitere Aktivitäten im Auszug:

 

*      Bis hier - und weiter - eingegrenzt und grenzenlos? - So hieß das Thema unseres diesjährigen Schüler-Lehrer-Wochenendes im RPZ, an dem ich ein zweites Mal teilnehmen durfte und vier Schüler/-innen mitnahm. Dieses Unternehmen war viel besser als eine einzelne Fortbildung, da intensiver. Die Zusammenarbeit mit Mario Vasquez, Religionslehrer in Offenbach, bei dem Workshop hat mir sehr viel bedeutet und viele neue Erkenntnisse gebracht.  Überschattet war dieses Unternehmen von dem beginnenden Irak-Krieg, das durch meinen dort teilnehmenden Schüler aus dem Irak noch einen besonderen Akzent bekam.  (Nebenbei bemerkt hat der Krieg leider mehr zu Lähmungserscheinungen als zu Protesten geführt, was sich am Tag des Kriegsausbruchs zeigte. Da war das Verhalten der Schüler im Jahre 1991 doch ganz entschiedener vom öffentlichen Protest gekennzeichnet.)

 

*      Kontakt zu halten oder zu knüpfen und - was uns pädagogisch in der Schule fordert, noch enger im Lehrerteam miteinander für die Schüler in Kontakt zu bleiben. An dieser Stelle habe ich die Absicht, mein Engagement auszubauen. Sehr interessant war in diesem Zusammenhang die Darstellung unserer sonderpädagogischen Arbeit in der Jugendkooperation Lampertheim, einem etwa vierteljährlichen Treffen vieler an der Jugendarbeit beteiligter Institutionen in Lampertheim. Hier arbeitet ja auch unser Diakonisches Werk in Lampertheim an prominenter Stelle mit.
Ergebnis: Die traditionellen Gräben zwischen Schule und Sozialarbeit werden langsam aber sicher zugeschüttet.

 

*      Der Besuch des Tee-Mobils mit einem jungen Team von Christen aus aller Welt neben unserem Schulzentrum. Es war im Zuge der PRO CHRIST Veranstaltungen von der baptistischen Gemeinde in Lampertheim eingeladen worden. Wir Religionslehrer haben gern von der Einladung Gebrauch gemacht und unsere und der Schüler Erfahrungen ausgetauscht.

 

*      Der Besuch der akademischen Feier anlässlich des 100.Geburtstags des Kindergartens Falterweg in der Martin-Luther-Gemeinde Lampertheim. Ein bunter Strauß von Gaben aus verschiedenster Quelle, ein interessanter Vortrag von unserer Pröpstin und eine überaus gelöste, fröhliche Atmosphäre machten diesen Abend zu einem denkwürdigen Tag. Hier zeigte sich Kirche pur, wie sie sein soll. In Zusammenhang mit dem großartigen Fest am Sonntag zuvor ein gelungenes Ereignis für Jung und Alt.

Copyright © 1999 by BSL      E-Mail: bsl-info@kreis-bergstrasse.de                       [Home] [Bildungsangebot] [Infos] [Fachbereiche] [Partner]